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Kyrill und Method
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Die aus Thessaloniki im damaligen Oströmischen Reich stammenden BrĂŒder Kyrill (griechisch: ΚύρÎčÎ»Î»ÎżÏ‚) und Method (griechisch: ΜΔΞόΎÎčÎżÏ‚) waren byzantinische Gelehrte und Priester. Sie betrieben gemeinsam die christliche Missionierung slawischer Völker im 9. Jahrhundert, weshalb sie als Slawenapostel bezeichnet werden. Sie schufen die erste Schrift fĂŒr die altslawische Sprache – das glagolitische Alphabet. Ihr Wirken hatte großen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der Slawen. Nach ihrem Tod setzten ihre SchĂŒler die Missionsarbeit unter anderen slawischen Völkern fort. In der orthodoxen Kirche werden sie als Heilige mit dem Attribut apostelgleich verehrt. Papst Johannes Paul II. erklĂ€rte sie im Jahr 1980 zu Patronen Europas.cite-ref-1[1]

Contents

‱ SĂŒdslawen
‱ Westslawen
‱ Ostslawen
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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FrĂŒhes Wirken

FrĂŒhe Lebensjahre

Die beiden BrĂŒder stammen aus Thessaloniki im damaligen Byzanz (Oströmischen Reich), heute in Griechenland. Ihr Vater Leontios, wahrscheinlich griechischer Herkunft aus Thessaloniki, war MilitĂ€rbeamter (Drungarios) im Oströmischen Reich, ihre Mutter war wahrscheinlich slawischer Herkunft. Beide BrĂŒder beherrschten die slawische Sprache, nicht nur wegen der Herkunft ihrer Mutter, sondern auch, weil im Gebiet um Thessaloniki Slawen lebten.cite-ref-2[2]

Method (mittelgriechisch ΜΔΞόΎÎčÎżÏ‚ Methodios) (um 815 in Thessaloniki – 6. April 885 in MĂ€hren) trug den Geburtsnamen Michael. Nach seiner juristischen Ausbildung wurde er als MilitĂ€rverwalter (archont) in die byzantinische Provinz am Fluss Strymont (nördlich von Thessaloniki) berufen, in der Slawen lebten. Um 845 verließ er dieses Amt, trat in ein Kloster auf dem Mysischen Olymp (Uludağ in der heutigen TĂŒrkei) ein, wurde Mönch, Diakon und nahm den Ordensnamen Method an. Nach der Mission zu den Chasaren, die er mit seinem Bruder unternommen hatte, wurde er Abt im Kloster Polychron am Marmarameer.cite-ref-3[3]

Kyrill (mittelgriechisch ΚύρÎčÎ»Î»ÎżÏ‚ Kyrillos) (um 827 in Thessaloniki – 14. Februar 869 in Rom), hieß ursprĂŒnglich Konstantin (mittelgriechisch ÎšÏ‰ÎœÏƒÏ„Î±ÎœÏ„ÎŻÎœÎżÏ‚ Konstantinos). Den Ordensnamen Kyrill nahm er erst bei seinem Eintritt in ein Kloster in Rom an, kurz vor seinem Tod. Konstantin war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, ein Theologe, Philosoph und polyglott. Er war SchĂŒler des spĂ€teren Patriarchen von Konstantinopel, Photios I., und genoss ein hohes Ansehen am kaiserlichen Hof. Nach seiner Ausbildung wurde er zum Priester geweiht.cite-ref-4[4] Er war zunĂ€chst Bibliothekar und SekretĂ€r (Chartofylax) des Patriarchen, spĂ€ter nahm er die Professur der Philosophie an der UniversitĂ€t von Konstantinopel an.

Missionen im Mittleren Osten

Konstantins erste Mission im Regierungsauftrag fĂŒhrte ihn (bereits im Alter von 24 Jahren) nach Samarra im Bagdader Kalifat. Er sollte mit den islamischen Gelehrten ĂŒber strittige theologische Fragen diskutieren und dazu beitragen, die Beziehungen zwischen dem Kalifat und dem Oströmischen Reich zu verbessern.cite-ref-dvornik-mo-5-0[5]

Im Jahr 860 sandte Kaiser Michael III. Konstantin und Method als Missionare zu den Chasaren (nordöstlich vom Schwarzen Meer), um die Expansion des Judentums in dieser Region zu verhindern, und um die Beziehungen zum Oströmischen Reich zu festigen. Der Legende nach fanden Konstantin und Method am Schwarzen Meer das Grab von Papst Clemens, nahmen die Gebeine mit und schenkten sie bei ihrer spÀteren Reise nach Rom Papst Hadrian II. als Reliquie.cite-ref-dvornik-mo-5-1[5]

Mission unter den Slawen

GroßmĂ€hren

Im Jahr 862 begannen Konstantin und Method mit der Arbeit, der sie fortan ihr ganzes Leben widmeten, und die ihnen ihre historische Bedeutung als Slawenapostel gab. In diesem Jahr wandte sich Rastislav, FĂŒrst von GroßmĂ€hren, an den byzantinischen Kaiser Michael III. mit der Bitte, ihm einen Bischof und Lehrer zu senden. Er sollte die Menschen im christlichen Glauben unterweisen und helfen, ein von den frĂ€nkischen Bischöfen unabhĂ€ngiges Bistum in MĂ€hren zu grĂŒnden. Das Christentum war in GroßmĂ€hren durch die ostfrĂ€nkischen Missionare bereits bekannt, aber FĂŒrst Rastislav hatte aus Sorge vor dem wachsenden politischen und kirchlichen Einfluss des OstfrĂ€nkischen Reiches die frĂ€nkischen Priester aus dem Land vertrieben. Mit der gleichen Bitte hatte sich Rastislav vorher an den römischen Papst gewandt, der sein Anliegen jedoch aus RĂŒcksicht auf die frĂ€nkischen Bischöfe nicht beantwortete.

„Unser Volk hat das Heidentum bereits verworfen und hĂ€lt sich an die christlichen Gesetze; aber wir haben keine Lehrer, die uns in unserer Sprache im rechten christlichen Glauben unterweisen können, damit auch andere Völker, wenn sie es sehen, uns nacheifern; so sende uns, Herr, einen Bischof und Lehrer. Denn von euch breitet sich ein gutes Gesetz in alle LĂ€nder aus.“

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Aus dem Brief von Rastistav an den byzantinischen Kaiser

Kaiser Michael III. und Patriarch Photius I. wĂ€hlten Konstantin und Method fĂŒr diese Mission aus.cite-ref-8[8] Als Vorbereitung fĂŒr die Reise schuf Konstantin eine neue Schrift fĂŒr die slawische Sprache – die Glagolitza – und ĂŒbersetzte zusammen mit seinem Bruder die Evangelien und die wichtigsten liturgischen Texte in die heute Altkirchenslawisch genannte Sprache. Grundlage war wahrscheinlich der slawische Dialekt aus der Umgebung von Thessaloniki, mit dem Konstantin vertraut war.

„Gott, der will, dass alle zu Erkenntnis der Wahrheit kommen, hat deinen Glauben gesehen und hat eine Schrift fĂŒr eure Sprache geoffenbart, damit auch ihr zu den großen Völkern hinzugefĂŒgt werdet, die Gott in ihrer eigener Sprache preisen. So senden wir dir den, dem es (d. h. die slawische Schrift) Gott geoffenbart hat, einen ehrbaren, rechtglĂ€ubigen und gelehrten Mann, einen Philosophen. Nimm diese Gabe an, die grĂ¶ĂŸer und ehrbarer ist als Gold, Silber und Edelsteine.“

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Aus dem Brief von Kaiser Michael III. an Rastislav

Die BrĂŒder erreichten GroßmĂ€hren im Jahr 863.cite-ref-10[10] Ihre Mission war sehr erfolgreich, hauptsĂ€chlich wegen der UnterstĂŒtzung durch Rastislav und wegen der EinfĂŒhrung der fĂŒr die Menschen verstĂ€ndlichen slawischen Sprache im Gottesdienst und in der Unterweisung. Sie bildeten junge MĂ€nner fĂŒr den Priesterdienst aus und arbeiteten weiter an der BibelĂŒbersetzung.

Mit der Schaffung der glagolitischen Schrift ging Konstantin weit ĂŒber den Wunsch Rastislavs nach einer selbststĂ€ndigen Kirchenprovinz hinaus. Das Altkirchenslawisch, in das er und sein Bruder die Bibel, liturgische Texte und andere BĂŒcher ĂŒbersetzten, wurde zur Norm der slawischen Schriftsprache. Es erhob die bislang als „barbarisch“ geltenden Slawen in den Kreis der spĂ€tantiken Schriftkulturen. Ihre BibelĂŒbersetzung ist die Ă€lteste (oder zumindest eine der Ă€ltesten) Übersetzungen in eine Nationalsprache. Ob die Bibel vollstĂ€ndig ĂŒbersetzt wurde, lĂ€sst sich nicht mehr feststellen. Die Legende Leben des hl. Method berichtet jedenfalls, dass Method nach Konstantins Tod die BibelĂŒbersetzung vollendete.cite-ref-11[11]

„Nackt (schutzlos) stehen die Völker da, wenn sie keine BĂŒcher in eigener Sprache haben, ohne diese Waffen können sie nicht gegen den Widersacher menschlicher Seelen kĂ€mpfen und sind dem ewigen Verderben ausgeliefert.“

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Aus Konstantins Vorrede (

Proglas

) zu seiner Übersetzung der vier Evangelien. Es ist wahrscheinlich das Ă€lteste SchriftstĂŒck in Altkirchenslawisch.

Konstantin und Method kamen bald in Konflikt mit dem frĂ€nkischen Klerus, der nur Lateinisch, HebrĂ€isch und Griechisch als liturgische Sprachen akzeptierte und alle „barbarischen“ Sprachen ausschloss. Ihre BegrĂŒndung – nur in diesen drei Sprachen habe Pontius Pilatus ĂŒber dem Kreuz Jesu die Worte „Jesus von Nazareth, der Juden König“ geschrieben (Johannes Kap. 19, Verse 19+20) – wies Konstantin scharf zurĂŒck. Seine lateinischen Widersacher nannte er verĂ€chtlich Pilatisten und Dreisprachler.cite-ref-13[13]

Die frĂ€nkischen Bischöfe betrachteten die beiden Slawenapostel als Eindringlinge. Die Schaffung eines slawischen Nationalbewusstseins durch Förderung der Volkssprache unterminierte ihr geistiges Monopol. Der Konflikt mit den Slawenaposteln verschĂ€rfte sich, als 864 Ludwig der Deutsche mit seinen Truppen Rastislav ĂŒberfiel, ihn zwang sich als Vasall unterzuordnen und die RĂŒckkehr der lateinischen Priester zu ermöglichen.

Reise nach Rom

Im Jahr 867 brachen Konstantin und Method zu einer Reise nach Konstantinopel oder Rom auf.cite-ref-14[14] Sie nahmen junge MĂ€nner mit sich, die sie in MĂ€hren fĂŒr den Priesterdienst ausgebildet hatten, um sie als Priester weihen zu lassen. Unterwegs verbrachten sie etwa ein halbes Jahr in Pannonien beim FĂŒrsten Kocel, der die beiden Slawenmissionare herzlich empfing, ihnen 50 junge MĂ€nner zur Ausbildung als Priester anvertraute und sie bei der EinfĂŒhrung der slawischen Liturgie in Pannonien unterstĂŒtzte.cite-ref-vavrinek-r-15-0[15]

In Rom wurden sie von Papst Hadrian II. sehr großzĂŒgig empfangen. Der Papst erkannte die Bedeutung der Slawenmission und wollte seine Beziehung zu Byzanz verbessern. Zu der freundlichen Aufnahme trugen auch die Reliquien des heiligen Papstes Clemens I. bei, die die BrĂŒder mitfĂŒhrten. Konstantin konnte sich vor dem Papst gegen die HĂ€resievorwĂŒrfe der lateinischen Priester verteidigen und die Verwendung der slawischen Liturgie rechtfertigen. Der Papst bestĂ€tigte die slawischen liturgischen BĂŒcher und weihte Method zum Bischof.cite-ref-vavrinek-r-15-1[15]

In Rom erkrankte Konstantin schwer, trat in ein Kloster ein und nahm den Ordensnamen Kyrill an. 50 Tage danach, am 14. Februar 869, starb er. Sein Grab befindet sich heute in der Basilica San Clemente al Laterano in Rom. Von der Orthodoxen Kirche wurde es als Pilgerziel ausgebaut.cite-ref-16[16]

Method allein

Papst Hadrian II. ernannte Method im Jahr 869 zum Erzbischof der neu gegrĂŒndeten Diözese von Pannonien und GroßmĂ€hren mit Sitz in Sremska Mitrovica und sandte ihn als pĂ€pstlichen Legaten zurĂŒck nach Pannonien. Das geschah auf Wunsch Kozels, der die Arbeit der Slawenmissionare sehr förderte. Mit der Einrichtung der pannonisch-mĂ€hrischen Diözese verfolgte die pĂ€pstliche Kurie ihre eigenen Ziele: den byzantinischen Einfluss in der Region zu begrenzen und ebenso den Einfluss der frĂ€nkischen Bischöfe von Salzburg und Passau zu schwĂ€chen. In der pĂ€pstlichen Bulle Gloria in excelsis Deo stimmte Hadrian II. der slawischen Liturgie zu.cite-ref-17[17]

Nach etwa dreimonatigem Aufenthalt in Pannonien reiste Method weiter nach MĂ€hren. Inzwischen hatte sich aber Svatopluk, FĂŒrst von Nitra und Rastislavs Neffe, mit den Franken verbĂŒndet, hatte Rastislav gefangen genommen und ihn dem frĂ€nkischen König Ludwig dem Deutschen ausgeliefert. Rastislav starb kurz darauf. Method wurde nach seiner RĂŒckkehr im Jahr 870 festgenommen und auf Betreiben von Ludwig dem Deutschen als Bischof abgesetzt und verurteilt. Er verbrachte zweieinhalb Jahre in einem deutschen Kloster im GefĂ€ngnis – möglicherweise auf der Insel Reichenau oder in Ellwangen,cite-ref-grivec-18-0[18] bis er auf Befehl des Papstes Johannes VIII. befreit und im Jahr 873 als Erzbischof wieder eingesetzt wurde.

Methods letzte Lebensjahre

Unter Svatopluk konnte Method zunĂ€chst seine Arbeit in MĂ€hren fortsetzen, auch gegen den Widerstand des lateinischen Klerus. Schließlich wurde er doch der Ketzerei angeklagt und nach Rom vorgeladen, konnte aber erneut die slawische Liturgie verteidigen. Mit der Bulle Industriae tuae stimmte Papst Johannes VIII. im Jahr 880 der altslawischen Liturgie mit der EinschrĂ€nkung zu, dass das Evangelium zuerst in Latein und dann in Altslawisch gelesen werden mĂŒsse. Method wurde als Erzbischof bestĂ€tigt und der deutsche Priester Wiching wurde als Bischof von Nitra eingesetzt.

Im Jahr 884 folgte Method einer Einladung des Kaisers Basileios I. zu einem Besuch in Konstantinopel, der ihn dort mit großer Ehre empfing. Method schenkte dem Kaiser Abschriften der slawischen BĂŒcher fĂŒr Gottesdienste; sie wurden vermutlich spĂ€ter fĂŒr die Missionsarbeit in Bulgarien und Russland verwendet. ZurĂŒck in MĂ€hren vollendete er die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Altslawische.

Method starb am 6. April 885. Der Legende nach wurde er in einer „großen mĂ€hrischen Kirche, auf der linken Seite hinter dem Altar der heiligen Jungfrau“ begraben. Diese Kirche wird in der NĂ€he von StarĂ© Město vermutet. Trotz intensiver Suche ist es nicht gelungen das Grab zu finden.cite-ref-19[19]

Method hatte Gorazd zu seinem Nachfolger bestimmt. Aber nach Methods Tod erreichte der lateinische Klerus unter FĂŒhrung von Wiching beim Papst Stephan V. das Verbot der slawischen Liturgie. Gorazd und die anderen Nachfolger Methods wurden gefangen genommen und des Landes verwiesen. MĂ€hren kam unter den Einfluss der römisch dominierten lateinischen Kirche und der Einfluss der byzantinischen Kirche wurde zurĂŒckgedrĂ€ngt.

Einfluss auf andere slawische Völker

SĂŒdslawen

Viele SchĂŒler von Kyrill und Method flohen nach Bulgarien, wo sie von Zar Boris I. freundlich empfangen wurden. Sie grĂŒndeten Schulen, die eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung des Christentums und der altkirchenslawischen Liturgie in Bulgarien spielten. Die zwei bedeutendsten Schulen waren die Schule von Ohrid, geleitet von Methods SchĂŒler Kliment, und die Schule von Preslaw, geleitet von Naum.cite-ref-20[20] In Bulgarien, wahrscheinlich an der Schule von Preslaw, wurde im 10. Jahrhundert das kyrillische Alphabet entwickeltcite-ref-21[21] und altkirchenslawisch wurde als die offizielle Sprache der bulgarischen Kirche und des Bulgarischen Reiches eingefĂŒhrt.cite-ref-dvornik-kbs-22-0[22] Da die meisten erhaltenen altkirchenslawischen DenkmĂ€ler bulgarische ZĂŒge haben, wird die Sprache auch Altbulgarisch (bulgarisch ŃŃ‚Đ°Ń€ĐŸĐ±ŃŠĐ»ĐłĐ°Ń€ŃĐșĐž starobălgarski) genannt.

Von Schriftschulen Bulgariens aus breitete sich das Christentum und die altkirchenslawische Liturgie weiter nach Serbien und Kroatien. Nach Kroatien haben es Kyrills und Methods SchĂŒler wahrscheinlich schon Ende des 9. Jahrhunderts gebracht. Die altkirchenslawische Liturgie wurde in Kroatien im 13. Jahrhundert von Papst Innozenz IV. genehmigt. In Serbien setzte sich der byzantinische Einfluss und die altkirchenslawische Liturgie ebenfalls im 13. Jahrhundert durch.cite-ref-dvornik-kbs-22-1[22]

Westslawen

Eine kleinere Gruppe von Konstantins und Methods SchĂŒlern floh nach Böhmen. Nach der Christianslegende wurde der böhmische FĂŒrst Boƙivoj I. am Hof von Svatopluk noch von Method selbst getauft. Im Kloster SĂĄzava entstand im 11. Jahrhundert ein Zentrum der altkirchenslawischen Schriftlichkeit. Aber schon Ende des 11. Jahrhunderts wurde das Kloster von den lateinischen Mönchen ĂŒbernommen. Papst Gregor VII. verbot die altkirchenslawische Liturgie in Böhmen, slawische Mönche wurden vertrieben und die altkirchenslawischen BĂŒcher vernichtet. Das altkirchenslawische Erbe verschwand fast völlig und der römisch-lateinische Ritus setzte sich durch. Doch im 14. Jahrhundert baute Kaiser Karl IV. in Prag die Benediktinerabtei Emmauskloster und erreichte beim Papst das Privileg, dort die altkirchenslawische Liturgie zu zelebrieren.cite-ref-dvornik-pb-23-0[23]

Es gibt Hinweise darauf, dass einige SchĂŒler von Kyrill und Method in das Gebiet an der Weichsel im sĂŒdlichen Polen flohen. Manche Historiker vermuten, dass auch Gorazd dort Zuflucht fand und Bischof in Krakau wurde. Die altkirchenslawische Liturgie verschwand in Polen im 11. Jahrhundert mit der Neuordnung der Kirche unter Kasimir I. Karl.cite-ref-dvornik-pb-23-1[23]

Ostslawen

Das orthodoxe Christentum wurde unter byzantinischen Einfluss schon Ende des 10. Jahrhunderts die Staatsreligion in der Kiewer Rus, als sich FĂŒrst Wladimir der Große im Jahr 988 taufen ließ. Bulgarische Priester haben dann die altkirchenslawische Liturgie und altkirchenslawische BĂŒcher gebracht. In Kiew entstand ein Zentrum des altkirchenslawischen Schrifttums. Die Russisch-Orthodoxe Kirche ĂŒbernahm die altkirchenslawische bzw. die altbulgarische Schriftsprache, sie wurde auch zur Schriftsprache des russischen BildungsbĂŒrgertums.cite-ref-24[24]

Verehrung und Heiligsprechung

In den orthodoxen Kirchen werden Kyrillcite-ref-25[25] und Methodcite-ref-26[26] seit dem Mittelalter als Heilige und Slawenapostel verehrt. Ihre orthodoxen Gedenktage sind der 11. Mai und der 17. Juli fĂŒr beide Heilige, der 14. Februar fĂŒr Kyrill und der 6. April fĂŒr Method. Das höchste bulgarische Staatsabzeichen, der Orden der Heiligen Kyrill und Methodius ist ihnen gewidmet.

Am 24. Mai 1851 wurden an der bulgarischen Schule Kyrill und Method in Plowdiw im damaligen osmanischen Reich wĂ€hrend der Bulgarischen AufklĂ€rung die Slawenapostel zum ersten Mal mit einer Feier geehrt. Ihr folgten in den Jahren danach immer am 24. Mai auch andere bulgarische Bildungsinstitutionen. 1880 fĂŒhrte Papst Leo XIII. den 14. Februar als ihren römisch-katholischen Gedenktag in den römischen Generalkalender ein.

Seit EinfĂŒhrung des evangelischen Namenkalenders im Jahre 1969 erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland am 14. Februar an Kyrill und Method.cite-ref-27[27] Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerikacite-ref-28[28] und die Anglikanische Gemeinschaftcite-ref-29[29] feiern den 14. Februar als Gedenktag der Slawenapostel, wĂ€hrend ihr Gedenktag von der Lutherischen Kirche – Missouri-Synode auf den 11. Mai gelegt wurde.cite-ref-30[30]

Heute wird am 5. Juli in Tschechien und der Slowakei der Tag ihres Eintreffens im GroßmĂ€hrischen Reich 863 als Nationalfeiertag begangen. Der 24. Mai ist in Bulgarien (Tag der Slawenapostel und des Bulgarischen Alphabets) und Nordmazedonien ein Nationalfeiertag („Tag der slawischen PĂ€dagogen“), der den beiden BrĂŒdern gewidmet ist.

Zu Ehren von Kyrill und Method tragen in Ost- und SĂŒdosteuropa viele öffentliche Einrichtungen, Orte oder Kirchen den Namen der beiden BrĂŒder.cite-ref-31[31] Die Internationale Bischofskonferenz der Heiligen Kyrill und Method schließt katholische Bischöfe Serbiens, Kosovos, Montenegros und Mazedoniens zusammen. Die Bulgarische Akademie der Wissenschaften vergibt alljĂ€hrlich den Kyrill-und-Method-Preis, die UniversitĂ€t in der bulgarischen Stadt Weliko Tarnowo trĂ€gt ihren Namen. In der Lausitz trĂ€gt die 1862 gegrĂŒndete Vereinigung der katholischen Sorben, der Cyrill-Methodius-Verein, den Namen der beiden „Slawenapostel“. Im Jahr 2000 errichtete dieser Verein unweit von Bautzen das sogenannte Millenniumsdenkmal, das die beiden BrĂŒder zeigt.

Im Jahr 1980 erhob Johannes Paul II. Kyrill und Method zusammen mit Benedikt von Nursia zu Patronen Europas.cite-ref-32[32] Im Juni 2013 gaben Bulgarien, die Slowakei, Tschechien und der Vatikan aus Anlass des 1150. Gedenkjahres der Evangelisierung in GroßmĂ€hren durch Kyrill und Method gemeinsam eine Gedenkbriefmarke heraus.

Aus dem gleichen Anlass wurde am 5. Juli 2013 von der Slowakei eine 2-Euro-GedenkmĂŒnze mit der Abbildung von Kyrill und Method in Verkehr gebracht.

Nach ihnen benannt ist der Asteroid (2609) Kiril-Metodi.

Siehe auch
Literatur

‱ Dvorník, Francis: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, ISBN 0-8135-0613-1 (englisch).
‱ Vavƙínek, VladimĂ­r: CĂ­rkevnĂ­ misie v dějinĂĄch VelkĂ© Moravy. NakladatelstvĂ­ LidovĂĄ demokracie, Praha 1963 (tschechisch, 202 S.).
‱ Vatroslav Jagić: Entstehungsgeschichte der kirchenslavischen Sprache. 2. Auflage. Berlin 1913 (archive.org).

Weblinks

Commons

: Kyrill und Method

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Schreiben Slavorum Apostoli von Papst Johannes II, 1985 (deutsch). Abgerufen am 8. Januar 2017
‱ Ćœivot sv. Konstantina (Leben des hl. Konstantin). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Konstantin (Pannonische Legende). Praha 1873 (online [abgerufen am 29. Mai 2020] kyrillisch und tschechisch).
‱ Ćœivot sv. Methoda (Leben des hl. Method). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Method (Pannonische Legende). Praha 1873 (online [abgerufen am 29. Mai 2020] kyrillisch und tschechisch).
‱ Life of Constantine AuszĂŒge aus der Pannonische Legende (englisch). Abgerufen am 8. Januar 2017
‱ Die heiligen Kyrillos und Methodios – Apostel der Slawen und Schutzpatrone Europas – Ein Beitrag von Dr. Theodoros Vlachos

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Schreiben Slavorum Apostoli von Papst Johannes II, 1985 (deutsch). Abgerufen am 2. Januar 2017
cite-note-22. ↑ Kaiser Michael III., der beide BrĂŒder nach MĂ€hren sandte, wird in der Pannonischen Legende Leben des hl. Method mit den Worten zitiert: „Ihr seid beide aus Thessaloniki und alle Thessalonicher sprechen reines slawisch“. Aus: Ćœivot sv. Methoda (Leben des hl. Method). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Method (Pannonische Legende). Praha 1873, S. 44 (Kapitel V.) (verfĂŒgbar online [abgerufen am 8. Januar 2017] kyrillisch und tschechisch).
cite-note-33. ↑ Francis Dvorník: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, S. 58.
cite-note-44. ↑ Es gibt aber auch die Meinung, dass er die Priesterweihe erst in Rom erhalten oder dass er bis zu seinem Tod nur Diakon war. In: Francis Dvorník: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, S. 57, 144–145.
cite-note-dvornik-mo-55. ↑ Francis Dvorník: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, S. 62–63, 65–66.
cite-note-61. In Deutsch ĂŒbersetzt aus: Ćœivot sv. Konstantina (Leben des hl. Konstantin). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Konstantin (Pannonische Legende). Praha 1873, S. 27 (Kapitel XIV.) (verfĂŒgbar online [abgerufen am 8. Januar 2017] kyrillisch und tschechisch).
cite-note-72. Die Sprachbarriere zwischen dem lateinischen Klerus und dem Volk wird nicht der wichtigste Grund fĂŒr Rastislavs Bitte sein. Schon die frĂ€nkischen Missionare hatten wichtige Artikel fĂŒr die Christenlehre in die slawische Sprache ĂŒbersetzt. Rastislav wollte in erster Linie eine vom bayerischen Episkopat unabhĂ€ngige Kirchenorganisation in GroßmĂ€hren aufbauen und damit auch seine politische UnabhĂ€ngigkeit stĂ€rken. Deshalb sein ausdrĂŒcklicher Wunsch nach einem Bischof. In: Vavƙínek, VladimĂ­r: CĂ­rkevnĂ­ misie v dějinĂĄch VelkĂ© Moravy. NakladatelstvĂ­ LidovĂĄ demokracie, Praha 1963, S. 88 (tschechisch, 202 S.).
cite-note-88. ↑ Ein Beweggrund war auch der Wunsch nach der Christianisierung von Bulgarien, das sich allen byzantinischen Missionsversuchen entgegengestellt hatte. Mit MĂ€hren unter byzantinischem Einfluss wĂ€re Bulgarien von christlichen LĂ€ndern „umstellt“ gewesen und Byzanz hĂ€tte mehr Druck ausĂŒben können.
cite-note-93. In Deutsch ĂŒbersetzt aus: Ćœivot sv. Konstantina (Leben des hl. Konstantin). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Konstantin (Pannonische Legende). Praha 1873, S. 28 (Kapitel XIV.) (verfĂŒgbar online [abgerufen am 8. Januar 2017] kyrillisch und tschechisch).
cite-note-1010. ↑ Byzanz hat also keinen Bischof gesandt, wie Rastislav es ursprĂŒnglich wollte. Der Grund wird sein, dass Byzanz zu wenig Kenntnisse ĂŒber die Situation in MĂ€hren hatte. In: Vavƙínek, VladimĂ­r: CĂ­rkevnĂ­ misie v dějinĂĄch VelkĂ© Moravy. NakladatelstvĂ­ LidovĂĄ demokracie, Praha 1963, S. 90–91 (tschechisch, 202 S.).
cite-note-1111. ↑ Ćœivot sv. Methoda (Leben des hl. Method). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Method (Pannonische Legende). Praha 1873, S. 51 (Kapitel XV.) (verfĂŒgbar online [abgerufen am 8. Januar 2017] kyrillisch und tschechisch).
cite-note-124. VaĆĄica, Josef: LiterĂĄrnĂ­ pamĂĄtky epochy velkomoravskĂ© 863 – 885, Praha: LidovĂĄ demokracie, 1966, S. 26–28 (tschechisch)
cite-note-1313. ↑ Ćœivot sv. Konstantina (Leben des hl. Konstantin). In: Josef Emler (Hrsg.): Fontes rerum Bohemicarum I: Vitae Sanctorum et aliorum quorundam pietate insignium. Kapitel: Leben des hl. Konstantin (Pannonische Legende). Praha 1873, S. 29–30 (Kapitel XV.) (verfĂŒgbar online [abgerufen am 8. Januar 2017] kyrillisch und tschechisch).
cite-note-1414. ↑ Es ist nicht klar, ob Rom oder Byzanz das ursprĂŒngliche Ziel war. FĂŒr Konstantinopel spricht, dass sie von dort ausgesandt wurden und auch dass Rom der Bitte Rastislavs um einen Bischof ursprĂŒnglich nicht entsprochen hatte. FĂŒr Rom spricht, dass sich die Slawenapostel dort gegen die HĂ€resievorwĂŒrfe der frĂ€nkischen Bischöfe verteidigen mussten. ZlesĂĄk, Ondƙej: KƙesĆ„anskĂĄ misie na VelkĂ© Moravě. Masarykova univerzita, FilozofickĂĄ fakulta, Ústav religionistiky, Brno 2008, S. 25+26 (tschechisch, 41 S., verfĂŒgbar online [PDF; 276 kB; abgerufen am 8. Januar 2017]).
cite-note-vavrinek-r-1515. ↑ Vavƙínek, VladimĂ­r: CĂ­rkevnĂ­ misie v dějinĂĄch VelkĂ© Moravy. NakladatelstvĂ­ LidovĂĄ demokracie, Praha 1963, S. 112, 117 (tschechisch, 202 S.).
cite-note-1616. ↑ History of the Basilica San Clemente auf der Webseite der San Clemente Basilika (englisch und italienisch). Abgerufen am 11. Februar 2023.
cite-note-1717. ↑ Francis Dvorník: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, S. 147–149.
cite-note-grivec-1818. ↑ Franz Grivec: Der heilige Methodius in Ellwangen. In: Viktor Burr (Hrsg.): Ellwangen 764–1964. BeitrĂ€ge und Untersuchungen zur Zwölfhundertjahrfeier. Band 1. Schwabenverlag, Ellwangen 1964, S. 153–159.
cite-note-1919. ↑ Ćœivot sv. Methoda, Kommentar von Josef VaĆĄica zum 17. Kapitel der Pannonischen Legende (1966)
cite-note-2020. ↑ GĂŒnter Prinzing: Ohrid. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6. Artemis & Winkler, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1376–1380.
cite-note-2121. ↑ Nicolina Trunte: ĐĄĐ»ĐŸĐČŃŁĐœŃŒŃĐșъо ѩзыĐșъ. Ein praktisches Lehrbuch des Kirchenslavischen in 30 Lektionen. Zugleich eine EinfĂŒhrung in die slavische Philologie. Band 1: Altkirchenslavisch (= Slavistische BeitrĂ€ge. 264 = Slavistische BeitrĂ€ge. Studienhilfen. 1). 4., durchgesehene Auflage. Sagner, MĂŒnchen 1994, ISBN 3-87690-480-3, Kap. 1.9; S. 16–19.
cite-note-dvornik-kbs-2222. ↑ Francis Dvorník: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, S. 231, 248–250, 258.
cite-note-dvornik-pb-2323. ↑ Francis Dvorník: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, S. 197, 200–204, 216, 227–229.
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cite-note-2525. ↑ Jones: Kyrill. In: Verzeichnis der Heiligen. Abgerufen am 13. November 2010.
cite-note-2626. ↑ Jones: Methodius. In: Verzeichnis der Heiligen. Abgerufen am 13. November 2010.
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cite-note-3030. ↑ Lutheran Church Missouri Synod: Commemorations.
cite-note-3131. ↑ Kahl, Thede; Salamurovic, Aleksandra (ed.): Das Erbe der Slawenapostel im 21. Jahrhundert. Nationale und europĂ€ische Perspektiven. The Legacy of the Apostles of the Slavs in the 21st Century. National and European Perspectives. Symbolae Slavicae, Nr. 31. Peter Lang (Academic Research), Frankfurt am Main, ISBN 978-3-631-65911-3.
cite-note-3232. ↑ Jörg Ernesti: Geschichte der PĂ€pste seit 1800. Herder, Freiburg / Basel / Wien 2024, S. 412; Thomas Bremer: Kyrillos u. Methodios. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, Sp. 556–557.